Steve Skaith Band - Imaginary Friend - Mexile - Empires and Us - Latin Quarter

Steve Skaith Band - Gedanken über ‘Imaginary Friend’

Album Details :: Texte :: Songbeschreibungen

Imaginary Friend - das ist ein purer und schlichter Atheist-Song. Nicht nur wegen der erschreckenden Wirkung des religiösen Fundamentalismus in der Welt, sondern auch weil es für mich absurd erscheint, dass es für alles an das wir glauben ein ‘Wesen’ da draußen gibt, welches unsere Entwicklung plante, uns beobachtet, über uns urteilt und uns eines Tages belohnen oder bestrafen wird. Es ist wirklich, als ob man an die Feen glaubt oder, wie es im Song heißt, dass die Welt  eine Scheibe ist. Ich streite Spiritualität oder die bisher unerklärten Wunder des Universums nicht ab, aber Gott? Es fehlen die Beweise. Fundamentalistische und liberal Gläubige müssen alle gleich sich dem „Glauben“ hinwenden um ihre Überzeugungen zu rechtfertigen und die Liberalen in gewisser Hinsicht –  die sogar offene und progressive Leben führen -  helfen die Fundamentalisten zu stärken, indem sie die Ansicht teilen, dass die Wahrheit von Oben kommt. Wie können wir überhaupt hoffen, dass wir Alternativen zum lächerlichen Krieg gegen den Terror, den Krieg gegen Drogen, den Krieg gegen sexuelle Freiheit haben, wenn wir daran glauben, dass uns ein himmlischer Vater instruiert. Es tut mir leid, ich kann nichts davon glauben.

Hidden Hand – Tatsächlich gab es Momente, in denen ich mich fragte, ob wir diesen Song einbeziehen sollten, obwohl ich ihn musikalisch immer mochte. Es ist ein alter Mike Jones Text. Für mich ist es ein Song, nicht darüber ob es einen Gott im wachenden und wertenden Sinne gibt, sondern darüber, was das Universum überhaupt ist und wie es zu funktionieren scheint. Plus, wie schwer es für uns ist, dies in unseren Köpfen begrifflich abzurunden: das Universum muß einen Ursprung gehabt haben, aber wie kann etwas beginnen, wenn es nichts davor gab? Ich mag besonders die letzte Strophe und das Bild von jemandem, der die ganze Nacht aufbleibt und versucht zu ergründen, was es alles bedeutet und dabei überhaupt keine Fortschritte macht.

Do Without Aladdin - Ich denke der Text dieses Songs ist ziemlich einfach und wir alle haben uns schon mal Zauberkraft gewünscht, schnelle Lösungen für ein Problem oder auch zwei zu bekommen. Ich habe dieses Lied mit Zuversicht aufgenommen, weil es in den ersten 9 Monaten das Lieblingslied meines Sohnes war und immer seine Aufmerksamkeit weckte, ihn lächeln ließ und ihn sogar zum tanzen brachte. Das muss bedeuten, es ist ein Ohrwurm, ganz sicher!

original Imaginary Friend coverImaginary Friend – wurde als Titellied des Albums ausgewählt und für mich ist es der wichtigste Text womit ich meine, daß ich ihn am häufigsten hören möchte. Es gab das Problem herauszuarbeiten welche Beziehung es zu dem restlichen Album hat, und den persönlichen Texten, die wir verwendet haben. Die Idee, die wir zunächst für den Umschlag des Albums hatten, war nicht wirklich hilfreich (siehe Abbildung). Zum Glück hat die Plattenfirma (höflicherweise) unseren Album Umschlag abgelehnt und den Vorschlag gemacht das Photo zu verwenden, das wir jetzt benutzen. Dies gab plötzlich eine größere Geschlossenheit des Albums, weil das Bild ein großes Gefühl der Einsamkeit und Isolation vermittelt und dies stellt einen direkten Zusammenhang zu einigen Themen der anderen Lieder. Diese anderen Lieder sind alles Mike Jones Texte vor allem  ältere Texte. Sie kommen vom seinem Liederarchive das ich meistens benutze, wenn ich einen Song schreiben möchte. Um ehrlich zu sein, Mike ist nicht besonders beglückt, dass einige dieser Texte jetzt ans Tageslicht kommen und behauptet sich nicht erinnern zu können, warum er einige schrieb. Für mich allerdings bekommen sie einen Klang und bilden ein interessantes Gegenstück zu den mehr optimistischen Tönen von Life und Adios for Now.  

Gave Somebody a Night – Dies ist der älteste Song auf dem Album – ich denke, er wurde zur Zeit des Latin Quarter Albums ‘Bringing Rosa Home’ geschrieben, so um 1995. Ich erinnerte mich an diesen Song für das Album, nachdem Ricardo und ich Rhythmen besprochen hatten, die wir mögen  und ich merkte, dass dieser Song zu einem passen könnte, den wir beide sehr mögen.. Dieser Song beginnt mit dem Bild eines Gitarristen, der arrogant und sogar gewaltsam auf der Bühne herumstolziert und sein Zeug vor einem bewundernden Publikum bringt (eine Art ‘One Night Stand’) und dann eine Reflektion/Erinnerung an unglückliche, enttäuschende sexuelle Begegenungen bekommt (weitere Arten von One Night Stands). Manchmal ist die Bedeutung unklar  – wie bei vielen Mike Jones Texten – aber für mich sind Zeilen wie’ Trockne deine Augen mit Alibis / Und sieh nicht zurück’ brilliant zu singen und schwingen natürlich mit der Bedeutung mit. Viele Beziehungen sind beleidigend, nicht im strengen (und schrecklich) physischem Sinn, sondern weil wir nach Alibis und nicht ehrlichen Gründen suchen, bei dem, was wir tun. 

Life – Tatsächlich wäre Gott in diesem Lied fast aufgetaucht, weil in einer Phase fiel mir diese Zeile ein: ’Wenn Gott sagt, das war dein Leben/ Werde ich sagen, ich glaube nicht an dich/Aber wenn du hier bist, dann gib mir 5 mehr.’ Ich mochte es, aber es passte nicht.

Diesen Song schrieb ich eines nachts, als ich über die bevorstehende Vaterschaft nachdachte. Die Zeile ‘ Daddy gibt sein Debüt’ ist eigentlich aus einem schon Jahre alten Mike Jones Song gestohlen, der warscheinlich jetzt vergessen ist (aber diese Zeile blieb immer in meinem Kopf).

Whisky, Hatha-Yoga - Dies ist ein Portrait eines sehr schrulligen Ehepaares, das Mike in den 60’er und Anfang der 70’er Jahre kannte. Er mit seiner lächerlich aussehenden Perücke und sie mit ihrer doppelten Besessenheit: Whisky und Hatha-Yoga. Die Zeile’Wie ein Gauner in einer Toga’ gefällt mir am Besten. Ich denke, dass ist ein bisschen ungewöhnlich in einem sanften, lyrischen Song. Und das ist meiner Meinung nach ein Plus.

How Many New Toys - Ein Song über jemanden, der ständig unzufrieden und unruhig ist, wo immer er auch ist. Jemand der sich nicht einfügt, weil er immer weiter sich vorstellt wie er sich noch mehr befriedigen kann. Mmm

Stranger at Your Door – Dies ist ein Lied an dem ich viele Jahre lang herumgebastelt habe, Melodien zu finden und sie dann doch zu verwerfen oder sie zu vergessen. Dieses Mal habe ich es aufgenommen. Es ist eine einfache Biografie des Bruchs einer Beziehung, aber das Interessante für mich dieses Mal war zu begreifen, dass der 'Fremde' nicht notwendigerweise (oder nur) ein anderer Mann ist, sondern das der Schriftsteller/Sänger selbst ein Fremder für seine ehemalige Freundin geworden ist. Es scheint offensichtlich, dass es das ist, was das Lied beinhaltet, aber das habe ich bis kürzlich selbst nicht bemerkt.

The Emperor -  In diesem Lied geht es um Ruhm und seine Besessenheit in der heutigen Zeit. Die Strophen handeln vom „König des Rock`n Rolls“, Elvis Presley, der in Tupelo, Mississippi geboren wurde – und in dem Refrain geht es um die Massen von jungen Leuten, die davon träumen der nächste große Star zu sein, heute mehr denn je durch Shows wie Pop Idol, American Idol, The Academy (Deutschland sucht den Superstar). Diese Shows sind wirklich deprimierend.

Den Industrie Personen zuzuschauen (ich versuche es zu vermeiden) welche Sänger den Geschäftsformeln am besten entsprechen ist eine perfekte Gegenrevolution. Die Rockmusik begann als eine Rebellion gegen die konservative und erdrückende Kultur der 50`er und Anfang 60`er Jahre und wurde angeführt durch Künstler und nicht durch Marketing Strategen. Wann immer eine neue Musikrichtung entstand, wie es beim Punk der Fall war, geschah dies durch den gleichen Geist und selten durch die Simon Cowell‘s (Dieter Bohlen‘s !!!) dieser Welt.          
Es es nicht der Fall, das in früheren Generationen Sänger nicht berühmt sein wollten. Viele haben ihren Ruhm gefeiert und sind sogar an ihm kaputt gegangen  (Elvis Presley ist ein gutes Beispiel dafür). Mir scheint, das all diese Stars anfingen durch ihre Liebe zum Singen, Musizieren, Schaupielern. Heutzutage scheint der Ruhm eine Bessessenheit zu sein: ich nenne es das „Paris Hilton Syndrom“, bei dem es bei den gesungenen Liedern und verkauften Perfüms aufs gleiche hinaus läuft.

Adios for Now - Ich werde im Sommer zurück nach England ziehen und dies ist einfach ein Goodbye an mexikanische Dinge. Einige sind Menschen / Orte / Dinge die ich wirklich liebe (Lila Downs, Huatulco, Negra Modelo Bier), andere sind erwähnt, weil sich europäische Hörer an sie erinnern könnten (Hugo Sanchez, Frida Kahlo), und weitere, weil sie so gut klingen (Tequisquiapan). Der Song beginnt mit einem Rhythmus, den Ricardo vorgeschlagen hat und ich hatte dann die Idee für den Text und die Melodie. Aber der Prozess war völlig anders als bei den Songs, an denen ich bisher gearbeitet habe. Wir entschieden uns einfach für diese wiederholende Formel: die Gesangsstrophe gefolgt von einem instrumentalen Solo, dann bleibt dieses Instrument bei der nächsten Strophe, und ein neues Instrument spielt ein Solo und bleibt bei der nächsten Strophe usw. usw. Dadurch steigert sich allmählich das Lied. Mit anderen Worten, es ist ein Song der komplett vom Arrangement und den Solos abhängt und wenn er nur mit Gitarre und Gesang gespielt würde, wäre er sehr schnell langweilig. Bis zu den letzten paar Wochen der Aufnahmen hatte ich keine Ahnung ob es funktionieren würde, oder welche Solos genau wir benutzen würden und ob sie sich als OK herausstellen würden. Jetzt muss ich sagen, ist es mein Lieblingsstück auf dem Album.

Song descriptions by Steve Skaith 2007, translated by Kerstin Wuenning and Karen Hutz.