Steve Skaith Band - Latin Quarter Revisited (2010)
Album Details :: Songbeschreibungen
Songbeschreibungen
1. New Millionaires
Die neuen Millionäre sind die Arbeitslosen. Jeden Donnerstag lösen sie ihren Scheck vom Arbeitsamt ein, aber das Geld reicht vielleicht nicht einmal bis zum nächsten Tag. Manchmal ist der Mond das einzige Dach über dem Kopf (Wortspiel: quarter = Unterkunft: quarter of the moon = Viertelmond; 1 quarter = 25 cents). Wenn sich eine neue Situation ergibt, bringt sie nur Unheil - wie für Arbogast, den Privatdetektiv in Alfred Hitchcocks "Psycho". Er wird von Anthony Perkins erstochen, als er die Treppe hinaufgeht.
"Genieße die Zeit der Muße!" Das muß ein Adliger gesagt haben. Wenn er uns etwas von seinen Reichtümern abgibt, würde sich das überzeugender anhören.
2. Radio Africa Continued
Die erste Strophe handelt von den korrupten politischen Führern, die Menschen ausbeuten. Mugabe aus Simbabwe und die ANC Führer aus Südafrika waren alle vor 25 Jahren „Helden“ und jetzt... Die zweite Strophe handelt von AIDS und wie es den Kontinent beeinflußt. Es gibt Hunderttausende AIDS-Waisen und sie alle brauchen Medizin (Antiretrovirale Wirkstoffe))
(Antiretrovirale Therapie - bezeichnet eine 1996 eingeführte Kombinationstherapie aus mindestens drei verschiedenen antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung der HIV-Infektion, die unbehandelt fast immer zum Ausbruch von Aids führt.
Mitte der 80‘er Jahre ..... gab es in Afrika (besonders in Kenia) Berichte, wonach Frauen und manchmal auch Männer bei lebendigem Leib verbrannt wurden, da man sie als „Hexen“ bezeichnete. Das ist ganz offensichtlich schrecklich.
Coltan – ist ein in Afrika abgebautes Mineral, das für die Herstellung von Mobiltelefonen verwendet wird.
3. Something Isn’t Happening
Ein Lied über den Rechtsruck unter Reagan und Thatcher. Nichts passiert, was sich dem entgegenstellt.
Bible Belt: Bezeichnung für den Süden und Teile des Mittleren Westens in den USA, wo, besonders in den letzten Jahren, Konservatismus und Gottgläubigkeit Hand in Hand gehen.
Weimar: kurz für Weimarer Republik, hier gemeint als kurze demokratische Übergangsphase zwischen der Monarchie und der Herrschaft des Faschismus
4. Dominion
Aus Profitgier werden massenweise Tiere gejagt und abgeschlachtet. Sie dienen als exotischer Gaumenkitzel, oder ihr Fell wird zu einem exklusiven Modeartikel verarbeitet. Einige Arten, wie der Lemur (eine seltene Affenart) oder das Rhinozeros, sind von der Ausrottung bedroht. Die Abholzung der tropischen Regenwälder engt den Lebensraum der Tiere, die der Jagd entkommen, zudem drastisch ein. Schuld sind nicht die Jäger - sie brauchen die Arbeit um zu überleben - , sondern die Händler und Endkonsumenten. Wissenschaftliche Studien bleiben ohne praktische Konsequenz.
Ramadan: Fastenmonat im Islam; in dieser Zeit darf ein Muslim tagsüber weder essen noch trinken, er kann daher nicht hart arbeiten. Man's Dominion: Bezug zur Schöpfungsgeschichte im 1.Buch Moses, Kapitel 1, Vers 28. Belem: Stadt in Brasilien, wirtschaftliches Zentrum des Amazonasgebiets, dessen Regenwälder systematisch abgeholzt werden. Cheetah: Der indische Leopard, das schnellste Lebewesen zu Land.
For those who don't know: Bezug zu Oscar Wildes Definition des Zynikers: "A man who knows the price of everything and the value of nothing." Geelong: Australische Kleinstadt bei Melbourne. Raise to the power ten: Um die Zahl der Tiere, die der Jagd zum Opfer fallen, zu erhalten, muß man die Zahl derer, die (tot oder lebendig) hier ankommen, zehnmal mit sich selbst multiplizieren (die Rechnung ist nur bildlich zu verstehen)
5. The Night
Dieses Lied beschreibt wie das Bedürfnis nach Gemeinschaft manchmal zu Beziehungen führen kann, die später böse enden.
Dies ist die Nacht der Nächte. Aber ihre Nacht ist es nicht, sie gibt sie jemand anderem und gibt nicht vor, es wäre Liebe, die dauert. Es geht so schnell vorbei, aber sie tut nichts dagegen. Er redet in perlenden Worten und mit großen Gesten über Wein, über sein abwechslungsreiches Leben. Um ihm zu gefallen, macht sie die Nacht zu einer Lüge, daran führt kein Weg vorbei. Die Nacht ist ein Feuer. Ein Zusammenstoß, auf den dieser Wagen zusteuert, zu dem diese Kurve führt. Sie ist schwarz, sie ist bankrott, sie blutet. Die Umarmung der Nacht wird nichts daran ändern, daß ich dich brauche. Das Lied erklingt, die Sänger tun nur so als ob. Was sie gemacht haben, hätten sie besser gelassen. Denn die Liebe haben sie dabei zerstört. Ohne daß ein Tropfen Blut auf den Boden gefallen ist, bleibt jemand zurück, innerlich getötet.
6. Eddie
Zwischen den Waggons eines vorbeifahrenden Zuges sehe ich, wie das Wasser des Sees sich kräuselt. Bei mir zu Hause sitzt Eddie, er ist verrückt geworden. In der Ferne hörte er das Meeresrauschen. Es klang wie das Knistern beim CB-Funk. Eddie hatte einen Knacks abbekommen, und als sie ihn gefunden hatten, machten sie ihn völlig kaputt. Jetzt ist er in Gedanken immer noch auf dem Schlachtfeld von Goose Green und wartet bis spät in die Nacht, daß die Hubschrauber ihn abholen. "Freut euch !" sagte Margaret Thatcher, als die Nachricht vom Sieg auf den Falklands kam. Bei der Rückkehr der Soldaten wimmelt es im Hafen vor Zeitungsleuten. Kleine Boote schaukeln auf und ab, wie 1940 vor Dünkirchen, als die geschlagene britische Armee von einer riesigen Menge von Zivilschiffen aufgelesen und gerettet wurde. Mit dem Zug geht 's weiter zum großen Empfang, und einer ruft: "Gut gemacht, Eddie!" Wir könnten auf dem Rummelplatz am See endlos Riesenrad fahren, aber wir wüßten immer noch nicht, was Eddie fühlt.
7. Remember
Alle werden sie kommen zum Haus des Allmächtigen, Groß und Klein, Arm und Reich - ein Gedenkgottesdienst für einen Soldaten, der weit von der Heimat gefallen ist, vielleicht im Falklandkrieg.
Der Priester spricht ein besorgtes Gebet und segnet die Sache, für die der Soldat getötet wurde.
Aber würde der Veteran aus der Schlacht von Verdun (im Ersten Weltkrieg) vom Ruhm sprechen, wenn er am "Armistice Day" (einer Art Totensonntag) einen Kranz niederlegte? Würde er sich wieder dazu hergeben, das Britische Empire zu verteidigen? Und wer denkt an die Mitglieder der Internationalen Brigade, die im Spanischen Bürgerkrieg Madrid gegen die Faschisten verteidigten, während US-Präsident Roosevelt von ,Stillhaltepolitik' predigte und England tatenlos zusah? Oder an die griechischen Partisanen, die die Brücke von Athen hielten und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von den Engländern verraten wurden, die statt ihrer die Monarchisten an die Macht ließen? Ist Christus für Priester in Uniform gestorben, die die Gewalt, die wir gegenüber kleineren Ländern ausüben, segnen? "Du sollst nicht töten", so heißt es - es sei denn, die Sanftmütigen stehen auf und teilen die Macht mit denen, die sie schon von Geburt an besitzen.
Remember....wurde geschrieben, nachdem ich Westminster Abbey besuchte und bemerkte hatte, wie Religion und Krieg zusammenhängen. Am ‚Remembrance Day‘ (Volkstrauertag) sollen wir den Kriegstoten gedenken, aber an was erinnern wir uns wirklich, wenn die Kirche immer schnell bereit ist, das nächste Abenteuer zu segnen. Ich bin kein Pazifist, aber die Zweispurigkeit ist ziemlich extrem.
Steve Skaith
8. Donovan’s Doorway
Eine Szene in Liverpool: Ein Hund schleckt aus einer Pfütze, aus einer Tanzschule dringt ein klopfendes Geräusch herüber. Es ist der Tanzlehrer, der zu den Noten, die in einem alten Klavierstuhl aufbewahrt werden, den Takt schlägt. In dem Eingang zu Donovan's Geschäft (einem Tante-Emma-Laden) steht ein Polizist mit einem großen Gummiknüppel, größer als in anderen englischen Städten üblich. Er hält Ausschau nach Randalierern, denn an diesem verregneten Abend findet ein Fußballspiel statt. Die Spieler fahren in großen Limousinen vor, die Zuschauer gehen zu Fuß. Wir könnten die ganze Nacht auf dieser Straße gehen und über alles mögliche reden. Aber es sieht nicht gut für uns aus, es geht nicht um das Spiel heute abend, sondern um die Lage im allgemeinen, und die ist schlecht: Sogar die Kirche wird in ein Haushaltwarengeschäft umgewandelt. Jeder weiß, wie es steht. Aber auf ein Plakat mit dem Slogan "Hilf den Armen" sind zwei Herzen gemalt, dazu die Namen Mick und Caroline.
9. Heart Stop Speaking
Ein skeptisches Lied über Latin Quarter selbst. Mit "Hymnen für das Volk" wollte die Band dazu beitragen, das eine gerechtere Welt entsteht. Aber ihre Lieder sind ohne Wirkung geblieben. Durch sie kann man sich keine Kleider und kein Essen kaufen. Die gesellschaftliche Entwicklung ist eher in die entgegengesetzte Richtung verlaufen: Egoismus und Geldgier stehen immer mehr an erster Stelle, auch wenn das auf Kosten der Anderen geht. Den Unterprivilegierten geht es dagegen genauso schlecht wie früher. Ideale und Utopien sind nicht mehr gefragt. Die Wahrheit ist komplizierter, als der Text eines politischen Liedes sie darstellt. Aber man soll nicht verzweifeln, sondern wählen: zwischen der Liebe der Macht und der Macht der Liebe.
Underclass: Soziologischer Begriff für die Bevölkerungsschichten, die aus dem Produktionsprozess ausgeschlossen sind und als Konsumenten keinen attraktiven Markt darstellen: Langzeitarbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Slumbewohner usw.
Three little words: Anspielung auf: "Three little words mean I love you." (Drei kleine Worte bedeuten: Ich liebe dich)
10. I Together
Jemand versucht, seine Liebe zu erklären. "Ich", ununterbrochen "Ich", zusammen mit allem, was geschehen kann "Ich". Kein egoistisches verweisen auf die eigene Person; es ist die Kraft, welche aus der Liebe erwachsen kann. Himmel, Erde, Hölle .... Das Flußbett für den anderen Menschen sein wollen, mit den Steinen, der Bahn des Wassers, die man glaubt bestimmen zu können. Ein unendlich fließender Strom werden, sanft und klar. Alles sein und doch wissen, daß es ein unerfüllter Wunsch bleibt. Der Sonnenaufgang, das strahlende Licht, das die Länge des Schattens bestimmt. Du und ich, wir sind alles - und doch ein jeder für sich. Eine einzige, geheimnisvolle Kraft, für die eigentlich keine Erklärung existiert, nur die Gefahr.
11. Church On Fire
Selbst wenn es den Kirchen gelingen würde, die Wahrhaftigkeit der allumfassenden Liebe wiederzuentdecken, wer würde das heutzutage bemerken ... ?
Translated by Kerstin Wuenning.
